Deutsches Theatermuseum
Galeriestr. 4a
80539 München

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
11 Uhr - 17 Uhr

Tickets & Preise

7 € Regulär
5 € Ermäßigt

Vorlass Jürgen Rose (1937)

Das umfangreiche Werk von Jürgen Rose, den Sven Ricklefs im BR als „einen der renommiertesten Bühnengestalter der letzten Jahrzehnte“ bezeichnet hat, umspannt mehr als fünf Jahrzehnte. Es weist eine besondere Vielfalt hinsichtlich der Stoffe und Spielarten des Theaters auf, da Jürgen Rose sich allen drei Gattungen des Theaters mit gleicher Begeisterung gestellt hat. Für  290 nachweisliche Inszenierungen, darunter 44 Ballett-Produktionen  hat er  Bühnenräume und Kostüme geschaffen.

Die ästhetische Energie, mit der Jürgen Rose seit 1959 Schauspiel, Oper und Ballett in Deutschland und darüber hinaus geprägt hat, hat in seinem zeichnerischen Werk ihren Niederschlag gefunden. Darin finden sich skizzenhaft hingeworfene Storyboards, Ablaufskizzen, detailgenau und maßstäblich ausgearbeitete Landschaftsprospekte, Bildwelten, für die er sich von Gustav Klimt, Paul Klee oder der byzantinischen Kunst inspirieren ließ und im Szenischen angelegte, bewegte Figurinen wie zarte, an Modezeichnungen erinnernde Kostümbilder, die er für das gesamte Personal eines Stückes zeichnend vorbereitete .

Erstaunliche Parallelwelten tun sich des Öfteren auf: Im selben Jahr beispielsweise bereitet er die überaus üppige Lustige Witwe mit John Cranko in Stuttgart und den kargen Wozzeck mit Gustav Rudolf Sellner in Salzburg für die Bühne vor. Die unterschiedlichen ästhetischen Gestaltungen sind ein spezifisches Merkmal im Schaffen Jürgen Roses. In seiner Arbeit nähert er sich dem jeweils auszustattenden Werk mittels akribischer Recherchen, um seine Phantasie aus historischen und zeitgenössischen Informationen speisend für seine eigenen Wege der Gestaltung auszurüsten. Auch das Archiv seiner stückbezogenen Recherchen gehört zum Lebenswerk und wird zur Dokumentation seiner Arbeitsweise erhalten.  

In München prägte Rose seit 1960 im Nationaltheater, im Residenztheater und in den Münchner Kammerspielen die Ästhetik zahlreicher Produktionen nachhaltig. Der Rosenkavalier von Richard Strauss, Vincenzo Bellinis Norma oder Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart – die Inszenierungen dieser Werke waren lange Zeit im Repertoire der Bayerischen Staatsoper oder sind es wie Giuseppe Verdis Don Carlo, Mozarts Zauberflöte oder Così fan tutte noch heute. Sie haben bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Wirkung die Gemeinsamkeit, dass Ihre Räume und Kostüme Schöpfungen von Jürgen Rose sind. John Crankos Julia, John Neumeiers Kameliendame, Crankos Tatjana, Neumeiers Odile, Odette und Ludwig II. – sie alle tanzen auch heute noch in den Kostümen von Jürgen Rose und bewegen sich in den von ihm gestalteten Bühnenräumen.

Roses beruflicher Erfolgsweg führte ihn u.a. auch an renommierte Theater in Kopenhagen, Hamburg, Stuttgart, Wien, Genf, London und New York wie zu den Bayreuther und den Salzburger Festspielen.

Er arbeitete – oft langjährig - mit bedeutenden Regisseuren und Choreographen wie Dieter Dorn, Thomas Langhoff, Hans Lietzau, Rudolf Noelte oder John Cranko und John Neumeier , um nur die wichtigsten zu nennen.
Jürgen Rose schuf in regelmäßiger  Zusammenarbeit die Kostüme für die großen Bühnenstars seiner Generation und Zeit wie Marcia Haydee, Edita Gruberova, Rolf Boysen oder Gisela Stein und stattete die gesamten Ensembles, mit denen diese Protagonisten verbunden waren, mit Kostümen aus. Die nur punktuellen und einzelnen Kostüme aus dem Werk Jürgen Roses herausgreifende Erhaltung im Bestand des Theatermuseums ist insbesondere lokalen Bezügen der Arbeit Roses geschuldet. 

Es gab Regisseure und Choreographen, die das zeichnerische Werk befördert haben, herausragend in dieser Hinsicht war John Cranko. Andere Arbeitspartner forderten weniger Roses zeichnerische Möglichkeiten heraus und suchten eine plastischere Zugangsweise. Jürgen Rose übergab mit seinem Vorlass auch aufgestellte und zerlegte Modelle zu über 80 Inszenierungen, die ihn als systematischen Planer und Erprober seiner Bühnenräume ausweisen. In einigen dieser präzise angelegten Modelle sind Roses vergänglich angelegten Theaterideen für den Betrachter momenthaft festgehalten.

Die Erwerbung des Lebenswerks von Jürgen Rose bedeutet für die Bestände des Deutschen Theatermuseums eine signifikante  Ergänzung sowohl der grafischen Sammlung wie auch der Modellsammlung .

Bleistiftzeichnung eines Jagdschlosses im Wald, stark straffiert

Prospektentwurf zum Jagdschloss in "Mayerling", 2019. Deutsches Theatermuseum, Archiv © Jürgen Rose.

Tanzende Ball-Gäste auf einer Bühne vor eindimensionalem Bühnenhintergrund, darüber drei Kronleuchter

Szenenfoto zum Ball in "Mayerling", 2019. © Max Rose.

Ein Tänzer in weißem Trikot hält eine Tänzerin in gestreiftem Kleid in einer Tanz-Pose

Szenenfoto eines Tänzerpaares in "Mayerling", 2019. © Max Rose.

Vier gezeichnete Damen in Ballkleidern

Szenischer Kostümentwurf in "Mayerling", 2018. Deutsches Theatermuseum, Archiv © Jürgen Rose.