Deutsches Theatermuseum
Galeriestr. 4a
80539 München

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
11 Uhr - 17 Uhr

Tickets & Preise

7 € Regulär
5 € Ermäßigt

Story

making Theatre: Am Puls der Gegenwart

Die Art und Weise, wie Theater gemacht wird, ist geprägt von der jeweiligen Gegenwart, in der es entsteht. Die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umstände bestimmen nicht nur die Arbeitsweisen der Theaterschaffenden, sondern auch, welches Theaterstück in den Spielplan aufgenommen und wie es schließlich inszeniert wird. Themen, die in der Gesellschaft diskutiert werden, wie Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit oder der Umgang der Geschlechter miteinander, finden sich auf der Bühne wieder. Kriege, Klimawandel oder wirtschaftliche Krisen können nicht nur die Sichtweise auf ein Thema oder die ästhetischen Stilmittel, sondern auch die Produktionsweisen verändern. In den zahlreichen Inszenierungen von Shakespeares „Romeo und Julia“ können die unterschiedlichen Gestaltungen von Bühne, Kostüm und Schauspiel auf die Lebenssituation – auf ästhetische Konventionen ebenso wie auf gesellschaftliche Kontexte – der Menschen verweisen, die sie erschaffen haben: Theater ist untrennbar mit der Zeit verbunden, in der es entsteht.

Kostümentwurf für "Julia" zu "Romeo und Julia“ am Theater Krefeld und Mönchengladbach, von Sigi Colpe, 2014.

Kostümentwurf für "Julia" zu "Romeo und Julia" am Herzoglichen Hoftheater Meiningen, von Georg II. von Meiningen, entstanden 1897. Deutsches Theatermuseum München, Inv. Nr. II1242, ID 313321.

Julia und die Mode

Die Mode der Zeit prägt die ästhetischen Stilmittel einer Theaterarbeit. Dies wird am Beispiel des Kostümbilds besonders deutlich. Zur Zeit Shakespeares war auf der Theaterbühne vor allem aktuelle Mode zu sehen, für die die Theatertruppen große Summen ausgaben. Das Kostüm gab Auskunft über die gesellschaftliche Stellung einer Figur. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es wichtiger, dass die Ausstattung einer Inszenierung möglichst historisch korrekt die Zeit der dramatischen Handlung wiedergab, so wie es Georg II. von Meiningen in seinem Hoftheater umsetzte. Als Regisseur entwarf er auch Kostüme. Von ihm stammt die Figurine der Julia. Mit ihrem Julia-Kostüm für das Theater Krefeld 2014 zeichnet Bühnen- und Kostümbildnerin Sigi Colpe eine moderne, selbstbewusste junge Frau. Stiefeletten für ein festes Standing und ein schulterfreies Top transportieren Julias selbstbestimmte Haltung. Colpe will dem Charakter durch ihr Kostümbild lediglich einen Rahmen geben, in dem die Schauspielenden sich mit ihrer eigenen Interpretation frei entfalten können. 

Kostümentwurf für "Romeo" zu „Romeo und Julia“ am Herzoglichen Hoftheater Meiningen von Georg II. von Meiningen, 1897. Deutsches Theatermuseum München, ID 54841.

Kostümentwurf für "Romeo" zu "Romeo und Julia“ am Theater Krefeld und Mönchengladbach, von Sigi Colpe, 2014.

Jeder Zeit ihren Romeo

Die deutsche Aufführungsgeschichte von „Romeo und Julia“ begann mit den Wanderbewegungen englischer Theatertruppen Anfang des 17. Jahrhunderts. Noch vor der Theaterschließung in England 1642 verbreiteten sie den Stoff auf dem Kontinent – eine Aufführung eines Stücks namens „Romeo“ ist 1604 nachweisbar. Im 18. Jahrhundert setze durch Übersetzungen und theatertheoretische Schriften die Rezeption Shakespeares als bedeutender Dramatiker ein. Herzog Georg II. von Meiningen, Gründungsmitglied der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, feierte Ende des 19. Jahrhunderts mit Shakespeare-Inszenierungen in historisierenden Bühnenbildern international Erfolge. Während Frauen auf der Elisabethanischen Bühne verboten waren, spielten Virtuosinnen im 19. Jahrhundert sogar den Romeo. Zahlreiche Adaptionen, als Oper, Ballett und Musical, steigern die Bekanntheit und Wiedererkennbarkeit ikonischer Szenen der tragischen Liebesgechichte – eine besondere Herausforderung für neue Inszenierungen von „Romeo und Julia“.

Was sagt uns Heinrich von Kleists Stück über den preußischen Militarismus heute, im zweiten Jahr des Kriegs in Ukraine und mit einem neuen Krieg in Nahost? Gibt es sie (noch), die „Soldatenehre“? ELENA PHILIPP, 2023

"Prinz Friedrich von Homburg" von Heinrich von Kleist, Regie: Jette Steckel, Schaubühne Berlin, 2023. Foto: Armin Smailovic.

Zukunftsmusical, das wie von außerhalb getaktet ist, ein Theater, das sich technisch und ästhetisch ganz seinem Thema unterwirft. Das sieht so aus, als sei es, einmal programmiert, von Menschen nicht mehr zu stoppen. EBERHARD SPRENG, 2024

"RCE #RemoteCodeExecution" von Sibylle Berg in einer Bearbeitung von Kay Voges und Sibylle Baschung, Regie: Kay Voges, Berliner Ensemble, 2024. Foto: David Baltzer.

Ronen treibt in ihrer Inszenierung die Gegenwart und ihre bio- und informationstechnologischen Entwicklungen auf die Spitze. KATRIN ULLMANN, 2020 

"(R)Evolution - Eine Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert" von Yael Ronen und Dimitrij Schaad, inspiriert von Yuval Noah Harari, Regie: Yael Ronen, Thalia Theater, 2020. Foto: Krafft Angerer.

„Blutbuch“ beschreibt eine Identitätssuche zwischen den Geschlechtern, ist schmerzhaft und schonungslos, ein dunkler, irrer und auch mal witziger Gesang vom marginalisierten Rand der Mainstream-Gesellschaft. EGBERT THOLL, 2024 

"Blutbuch" von Kim de l'Horizon, Regie: Jan Friedrich, Theater Magdeburg, 2024. Foto: Kerstin Schomburg.