Deutsches Theatermuseum
Galeriestr. 4a
80539 München

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
11 Uhr - 17 Uhr

Tickets & Preise

7 € Regulär
5 € Ermäßigt

Gespräch

Zukünfte auf Probe

Globale Dis:konnektivität und Post-Apokalypse

Ausstellung FUTURE, NOW! © NVDH Films / Deutsches Theatermuseum

Wie entstehen Zukünfte? Wir erwarten sie, planen sie, fürchten sie oder erproben sie schon heute. Dabei verbinden wir Vergangenheit, Gegenwart und erwartete kommende Welten miteinander. Diese Verbindungen sind jedoch nie lückenlos: Unterbrechungen, Abwesenheiten, Umwege und Ungleichzeitigkeiten gehören dazu. Die Podiumsdiskussion fragt, was geschieht, wenn man dieses Zusammenspiel von Verbindung und Unterbrechung als dis:konnektive Produktion von Zukunft versteht.

Drei Forschungsperspektiven kommen dazu ins Gespräch. Clemens Finkelstein nimmt Sie mit an Orte, an denen Zukunft schon heute erprobt wird: von Antarktisstationen und Wüstensimulationen in der Atacama Wüste bis zu Unterwasserhabitaten und Mondsimulationen. Diese Labore sind global vernetzt und zugleich bewusst isoliert, und sie spielen durch, wie bewohnbar fremde Welten sein könnten. Susanne Quitmann öffnet den Blick auf Bäume als Zeitarchive: Am Beispiel der Baumringforschung (Dendrochronologie) zeigt sie, wie Bäume zu Instrumenten der Zeitmessung wurden und damit moderne Zeitvorstellungen mitprägten. So wird sichtbar, wie die Auseinandersetzung mit der Natur unsere Vorstellungen von Geschichte und Zukunft formt. Marcel Kückelhaus richtet den Blick auf die Sprache und fragt, wie wir Zukünfte versprachlichen, besonders wenn wir über Künstliche Intelligenz nachdenken. Im Gespräch geht es auch darum, wie apokalyptische Brüche bestehende zeitliche Verbindungen auflösen und zugleich andere mögliche Welten denkbar machen. 

 

Durch das Gespräch führt Christopher Balme, Professor für Theaterwissenschaft an der LMU München. Er kennt Zukunft als etwas, das im Theater geprobt, inszeniert und öffentlich verhandelt wird, und bringt diesen Blick in die Diskussion ein.


Clemens Finkelstein ist Historiker und Theoretiker der gebauten Umwelt. In seiner Forschung untersucht er die Beziehungen zwischen Architektur, Technowissenschaften und planetaren Umwelten. Er koordiniert die Laboratorien der Dis:konnektivität am Käte Hamburger Kolleg global dis:connect, lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist Fellow am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld und leitet das von der VolkswagenStiftung geförderte Projekt Exodesign: Prefigurative Practices in the Art and Architecture of Alien Worlds.

Susanne Quitmann ist Historikerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Käte Hamburger Kolleg global dis:connect in München. Ihre Forschung und umfasst mit der Umwelt- und Wissensgeschichte, der Kolonial- und Migrationsgeschichte sowie der Kindheitsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ein breites Themenspektrum. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt untersucht sie am Beispiel der Baumringforschung, wie Bäume als Instrumente der Zeitmessung zur Herausbildung moderner Zeitvorstellungen beitrugen und wie die Auseinandersetzung mit der Natur menschliche Vorstellungen von Geschichte und Zukunft prägte.

Marcel Kückelhaus ist Sprachwissenschaftler und beschäftigte sich zuletzt mit der sprachliche Konstruktion von KI im journalistischen Diskurs und den damit verbundenen Zukunftsvorstellungen dieser Technologie und unserer Gesellschaft. 
Während seiner gesamten akademischen Laufbahn arbeitete Marcel Kückelhaus stets interdisziplinär.  So zog es ihn 2023 für einen Forschungsaufenthalt an das „Leverhulme Centre for the Future of Intelligence“ (CFI), einem interdisziplinären Forschungszentrum, das sich mit KI und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen befasst. Seine derzeitige Arbeit bei CAPAS baut auf diesem interdisziplinären und kooperativen Ansatz auf und ermöglicht es ihm als Wissenschaftskommunikator, Brücken zwischen den Disziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu schlagen.

Christopher Balme hatte bis Oktober 2022 den Lehrstuhl für Theaterwissenschaft an der LMU München inne. Er ist in Neuseeland geboren und aufgewachsen und schloss dort sein Studium an der University of Otago ab. Seit 1985 lebt und arbeitet er in Deutschland, wo er an den Universitäten Würzburg, München und Mainz tätig war. Von 2004 bis 2006 hatte er den Lehrstuhl für Theaterwissenschaft an der Universität Amsterdam inne.  Von 2007 bis 2010 war er Dekan der Fakultät für Geschichte und Kunst an der Universität München.
Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Erbe der Moderne im Kontext der Globalisierung der Künste, auf Theater und der Öffentlichkeit sowie auf der Beziehung zwischen Medien und Performance.

Termin

3. Dezember 2026
Donnerstag, 19:00 Uhr