Sonderveranstaltung
MUST SEE!
Mehr Sichtbarkeit für Theatersammlungen und -forschung

Digitales Arbeitstreffen der Reihe „Sammlung trifft Forschung“ VII
Wie erreichen Theatersammlungen, Archive der Darstellenden Künste und Museen ihr Publikum, von interessierten Laien bis zur theaterhistoriografisch Forschenden? Und wie können Forschungsarbeiten – aus den Institutionen selbst wie auch von Externen – auf größeren Plattformen und in größeren Netzwerken erscheinen? Wie kann die Arbeit von und in Sammlungen der Darstellenden Künste und ihre Bedeutsamkeit wahrnehmbarer werden? Wie lässt sich Sichtbarkeit fassen, wie messen und bewerten? Das digitale Arbeitstreffen legt den Fokus auf unterschiedliche Strategien, Herausforderungen und Perspektiven im Umgang mit Sichtbarkeit im Digitalen wie Analogen.
10.00–10.15 Uhr
Begrüßung
10.15–11.15 Uhr
Impulse „Sichtbarkeit“
Wie wird die meist unsichtbare Arbeit von Gedächtnisinstitutionen sichtbar? Fünf Impulse aus der Praxis geben Anregungen für mehr Öffentlichkeit und Sichtbarkeit für die Themen und Projekte von Gedächtnisinstitutionen und Forschung.
1. „Auf direktem Weg zum Publikum: eine offene Online-Sammlung für die freie Szene“, Wilma Renfordt, Digitales Archiv der Freien Darstellenden Künste, Berlin
2. „Zuhören können – Über Podcasts als Vermittlungsinstrument für Kultureinrichtungen“, Roxane Bicker M.A., Leitung Kulturvermittlung, Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München
3. „Auf dem Zettel: Citizen Science“, Projekt: Zettelschwärmer, Doreen Kelimes, Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung, Mannheim
4. „Was bleibt, wenn der Vorhang fällt“ – Ein Austausch zu Theatererinnerungen zwischen Forschenden, Archivar:innen, Künstler:innen und Bürger:innen als Beispiel für Wissenschaftskommunikation im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften, Dr. Dorothea Pachale, Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
5. "Von außen betrachtet" – Markenführung für Kultureinrichtungen, Tina Strobel-Rother, Büro Alba – Strategy & Design, München
11.15–12.15 Uhr
Let’s talk! Gesprächsrunden. Nach den Inputs kann in Kleingruppen das Gespräch mit den Referent:innen vertieft werden.
12.15–13.15 Uhr
Mittagspause
13.15–13.45 Uhr
Un-Seen: Was passiert, wenn wir verschwinden.
Austausch zur aktuellen Situation von forschenden und sammelnden Institutionen unter wachsendem ökonomischem und politischem Druck
13.45–14.30 Uhr
Museum Development Goals. Wie Wirkung sichtbar wird
Sandra Leuschner, Projektkoordination Kultur, NORDMETALL-Stiftung
Die Museum Development Goals (MDG) bilden einen Rahmen, die gesellschaftliche Wirkung von Museen anhand von 18 zentralen Aspekten der Museumsdefinition sichtbar werden zu lassen. Damit verbunden wird die die gesellschaftliche Verantwortung, die Museen sich in ihrem Selbstverständnis zuschreiben deutlich. Der Impuls gibt Einblick in das gemeinsame Praxisprojekt von NORDMETALL-Stiftung und ICOM Deutschland: Wie die MDG gemeinsam mit Patenmuseen aus dem deutschsprachigen Raum weiterentwickelt werden, wie Beispiele guter Praxis entstehen und welchen Orientierungsrahmen die MDG für die strategische Verortung innerhalb der Museumsdefinition bieten. Ein Einblick in Prozess und eine Einladung, die Werkzeuge für die eigene Praxis zu nutzen.
Weiterführende Informationen
14.45–15.30 Uhr
Vier parallele Workshops: Must See!
1. Lust und Last der Nutzung: Von der (Un)Möglichkeit lösungsorientierter Recherchestrategien in deutschsprachigen Theaterarchiven (Stefan Gräbener & Stephan Dörschel, Berlin)
2. Verkörpertes Wissen. Ein Parcours: Choreographischer Zugang zu wissenschaftlichen Objektkulturen (Susanne Vincenz & Kirsten Vincenz, Berlin)
3. History is waiting for you: Arbeit mit und von Studierenden im Archiv (Mathilde Frank & Irene Brandenburg)
4. Vom Mitforschen & Mitgestalten zum Mitwirken? Partizipation im KOLK 17 (Esther von Kiedrowski & Sonja Riehn, Lübeck)
15.30–16.30 Uhr
Abschlussrunde: Sichtbare Ergebnisse?
Wir freuen uns auf den Austausch!
Das siebte Treffen der Reihe „Sammlung trifft Forschung“ wird veranstaltet vom Deutschen Theatermuseum München, dem Lübecker KOLK 17 Figurentheater & Museum, dem Institut für Theater- und Medienwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität und der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln zusammen mit dem Bundesverband Theatersammlungen im deutschsprachigen Raum (TheSiD) e.V. sowie der AG ARCHIV der Gesellschaft für Theaterwissenschaft.
Organisationsteam: Dr. Dorothea Volz (Deutsches Theatermuseum, München), Dr. Dorothea Pachale (FAU, Erlangen-Nürnberg), Dr. Antonia Napp (KOLK 17, Figurentheater und Museum, Lübeck) & Dr. Mathilde Frank (Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln)
Die Anmeldung ist ab sofort möglich.
Bitte schreiben Sie dazu eine E-Mail und mit Angabe der Institutionsanbindung, sofern gegeben, an: Sammlung-trifft-ForschungVII@kolk17.de
Details zu den Workshops
Workshop 1: Lust und Last der Nutzung: Von der (Un)Möglichkeit lösungsorientierter Recherchestrategien in deutschsprachigen Theaterarchiven
Viele, die theaterbezogene Sammlungen für ihre Forschungen nutzen, stöhnen: „Wo finde ich was?“ Zu unübersichtlich ist, was in welcher Sammlung bewahrt wird. Es gibt Staats-, Regional- und Stadtarchive, Staats-, Universitäts- und städtische Bibliotheken, Theatermuseen, (kulturhistorische) Spezialmuseen, Sondersammlungen in diversen Museen, Bibliotheken und Archiven.
Und auch die institutionenübergreifenden Suchmaschinen sind nicht vollständig und/oder nicht transparent. Und vor allem: Warum ist die Zugänglichkeit bzw. die Bereitstellung von Archivalien immer noch an die Präsenz in einem Lesesaal geknüpft? Ist das mangelnde Digitalisierung, die durch fehlende personelle, technische und finanzielle Kapazitäten bergündet ist, Datenschutzfragen – die Urheber- und Persönlichkeitsrechte, auch die Dritter – oder gar Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust der Institutionen?
Der Workshop diskutiert Probleme und Notwendigkeiten vonseiten Forschender und Archive und fragt, welche Lösungsansätze es gibt.
Leitung: Dr. Stefan Gräbener (Berliner Hochschule für Technik) und Stephan Dörschel (TheSiD)
Workshop 2: Verkörpertes Wissen. Ein Parcours
Choreographischer Zugang zu wissenschaftlichen Objektkulturen
Im Kooperationsprojekt „Verkörpertes Wissen. Ein Parcours“ begegneten sieben Studierende des MA Choreographie des Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin, den wissenschaftlichen Sammlungen der TU Dresden auf ungewohnte Weise: Sie ließen sich von der Materialität und Geschichte der Objekte leiten, erforschten sie mit Händen, Gewicht und Atem. So wurde beispielsweise die Farbstoffsammlung – mit ihren über 1.500 Naturfarbstoffen und mehr als 20.000 synthetischen Farbproben – zum farbigen Resonanzraum für Bewegung, in dem Pigmente und Körper gleichermaßen Spuren hinterließen.
In der Sammlung Getriebemodelle, deren rund 200 bewegliche Lehrmodelle seit 1830 technische Prinzipien sichtbar machen, wurden mechanische Abläufe durch den tanzenden Körper neu interpretiert: Das Greifen, Drehen, Übertragen – einst aus Holz, Glas oder Metall – fand seine Entsprechung im lebendigen Organismus. Choreographie wurde hier zur Methode, Wissen nicht nur zu betrachten, sondern zu verkörpern. Dabei entstand Wissen im direkten Kontakt mit den Objekten, im gemeinsamen Raum und im Moment des Erlebens – als lebendige Praxis des Körpers, jenseits von Text und Bild.
Künstlerische Forschung eröffnet alternative Erkenntniswege, in denen das sinnliche Erleben und die körperliche Präsenz zentrale Rollen spielen. Was geschieht, wenn wissenschaftliche Objekte ihren angestammten Kontext verlassen und durch Bewegung aktiviert und neu erkundet werden? Der durch die Studierenden entwickelte und präsentierte Parcours lud dazu ein, die Sammlungen der TU Dresden durch Bewegung und körperliche Erfahrung aktiv zu erleben. Das Projekt wurde initiiert von Prof. Susanne Vincenz und begleitet von Kirsten Vincenz, Prof. Ingo Reulecke, Romy Schwarzer, Anna Till, Jörg Zaun und Gwendolin Kremer.
Leitung: Kirsten Vincenz (TU Dresden) & Susanne Vincenz (HZT Berlin/Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch)
Workshop 3: History is waiting for you: Arbeit mit und von Studierenden im Archiv.
Der Sinn des Archivs ist die Nutzung. Langjährig Forschende und Archivmitarbeitende beschäftigen hier zweifelsohne andere Fragen als Studierende. Diese fokussieren in Seminar- und Abschlussarbeiten oft eher lebenswelt- und gegenwartsbezogene Fragen und wissen schlichtweg wenig über die Verfügbarkeit von Sammlungen. Die Arbeit mit Studierenden in Sammlungen und Archiven ist eine zweifelsohne wunderbare, aber auch aufwendige Möglichkeit, Fähigkeiten in der Arbeit mit verschiedenen Quellen zu vermitteln, Unwissen und Unsicherheiten abzubauen und Fragestellungen zwischen Geschichte und Gegenwart nah am Material gemeinsam zu erdenken.
Der Workshop stellt konkrete Arbeitsprojekte aus Lehrveranstaltungen tanz- und theaterwissenschaftlicher Studiengänge, aber auch anderer Fachbereiche von und mit Studierenden vor. In einer offenen Diskussion mit den Teilnehmenden möchten wir über Potentiale, aber auch Schwierigkeiten diskutieren, gemeinsam weitere Ideen entwickeln und zum kreativen Erfahrungsaustausch einladen, wie Arbeit mit Studierenden zu höherer Sichtbarkeit und Zukunftsfähigkeit beiträgt.
Leitung: Irene Brandenburg (Derra de Moroda Dance Archives der Universität Salzburg) & Mathilde Frank (Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln)
Workshop 4: Vom Mitforschen & Mitgestalten zum Mitwirken? Partizipation im KOLK 17
Figurentheater ist eine zutiefst menschliche Kunst. Sie knüpft an die menschliche Lust an, Dingen Leben einzuhauchen, und ist so alt wie die Menschheit selbst und überall auf der Welt zu finden. KOLK 17 Figurentheater & Museum in Lübeck möchte für diese Kunst ein Ort des Austauschs sein. Einen geeigneten Anknüpfungspunkt bietet die Sammlung KOLK 17 mit über 20.000 unterschiedlichen Artefakten zum Thema Figurentheater. Der partizipative Ausstellungsraum „VerSammlung“ zeigt nicht nur die Vielfalt der Sammlung und damit von Figurentheater allgemein auf und vermittelt dazu Fachwissen, sondern der Raum lädt auch Menschen ohne professionelle Verbindung zu Figurentheater zum Mitforschen und Mitgestalten ein. Doch werden hier neue Perspektiven auf das Figurentheater sichtbar? Ist diese Form des Mitforschens und Mitgestaltens – eine Beteiligung auf Einladung – tatsächlich partizipativ? Wie könnten Entscheidungsprozesse weiter abgegeben werden, um einen offenen Möglichkeits- und Handlungsraum zu schaffen, der Unerwartetes, Ungewöhnliches und auch Veränderung nachhaltig zulässt? Ausgehend von einem 10-minütigen Shortcut zu Konzept und Projekten des Raumes, werden in der interaktiv angelegten Impulseinheit Gelingensbedingungen für Partizipation im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis der Museumsarbeit diskutiert und kritisch reflektiert. Darüber hinaus laden die Impulsgebenden dazu ein, über das Potenzial von (Figuren)Theater nachzudenken – als Mittel zum Wissensaustausch sowie treibende Kraft zur Auseinandersetzung um die Frage nach den institutionellen Spielregeln selbst.
Leitung: Esther von Kiedrowski (KOLK 17 Outreach & Vermittlung) und Sonja Riehn (KOLK 17 Sammlung & Wissenschaft), Moderation: Antonia Napp
Termin
27. November 2026Freitag, 10:00 Uhr