Vorlass Katrin Brack (1958)
Zeichnerisches Werk Katrin Brack:
Das Deutsche Theatermuseum erhält den Vorlass von Bühnenbildnerin Katrin Brack (1958).
2017 in Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, prägen die Arbeiten Katrin Bracks weit über den deutschsprachigen Raum hinaus die Sprechbühnen mit über 90 Theaterproduktionen.
Durch die Vorlassübergabe bewahrt das Deutsche Theatermuseum nun zu 52 Aufführungen zeichnerische Artefakte, mit denen Brack ihre Ideen skizzierte. Im größten Teil handelt es sich dabei um Entwürfe und schematische Zeichnungen zu den Bühnen-Rauminstallationen Katrin Bracks, die sich meist durch bewegte Objekte sukzessiv verändern. Neben den Handzeichnungen belegen fünf vorbereitende u. produktionsbegleitende Skizzenbücher ihr Vorgehen und Arbeitsweise.
Völlig unterschiedliche Entwicklungsimpulse erhielt Brack durch die Ausbildung unter Karl Kneidl (1978 bis 1984) und Karl-Ernst Herrmann (ab Mitte der 1980er-Jahre). Ihre eigene Handschrift wird seit den 1990er-Jahren für das Theater stilbildend und zeigt sich in der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Alfred Kirchner und Mathias Langhoff in Wien, seit 1990 mit Robert Hunger-Bühler und v.a. kontinuierlich mit Luc Perceval, Dimiter Gotscheff und später Armin Petras, René Pollesch, Karin Henkel, Jossi Wieler sowie Angela Richter und Johann Simons. Durch ihre Arbeiten wird Brack an vielen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen (Schauspielhaus Hamburg, Münchner Kammerspiele, Schauspiel Frankfurt, Schaubühne Berlin, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, Münchner Kammerspiele) und auch an niederländischen Theatern in Den Haag, Antwerpen und Gent zum Inbegriff eines minimalistischen, installativen Bühnenbildes.
Der überlieferte zeichnerische Bestand Bracks lässt – im großen Unterschied zur Generation ihrer Lehrer, welche noch umfangreiche Entwurfssätze zur Erarbeitung von wechselnden Bühnenbildern hinterlassen hat – keine Abfolge mehr von Örtlichkeiten erkennen.
Im Sinne der Konzeptkunst verneinen die graphischen Entwürfe meist zeichnerisch-ästhetische Absichten und sind – reduziert auf ein darstellerisches Minimum – oft als Anleitungen für installativ angelegte Bühnenräume zu lesen.
Die Zeichnung zielt auf eine Gesamtwirkung des beabsichtigten Materialbildes im Raum der Bühne, geht dabei aber kaum auf die alltägliche, oft vorgefertigte Materialität der verwendeten Gegenstände/Objekte (Konfetti, Girlanden, Gummibälle, Glühbirnen) zeichnerisch abbildend ein. Die Bühnen-Installationen Bracks leben vom und durch das Spiel der Darsteller, welche damit erst konzeptuell angelegte, sich wandelnde Bilder generieren. Darin fungieren vorgefertigte Gegenstände häufig als seriell zum Einsatz kommendes Spielmaterial.
Die Zeichnungen Bracks verfolgen keinerlei repräsentativ-zeichnerischen Selbstzweck. Vielmehr vermitteln sie Nutzungszwecke als Schemazeichnung, Funktionszeichnung Ablaufdiagramm oder Storyboard in der Art zweckmäßig lesbarer Vehikel innerhalb des theatralen Entstehungsprozesses, die bewusst schmucklos, bar jedes spielerischen Ornaments dem Prozess der Theaterkreation behilflich sind.
Die Erwerbung dieses zeichnerischen Werkes leitet die Bestände der grafischen Sammlung des DTM in die Dokumentation der Verfahren zur Bühnengestaltung im 21. Jahrhundert über.
