Projekt "Bühnenentwürfe und Zeichnungen der Familie Quaglio"
Allgemeines

Simon Quaglio, Bühnenentwurf zu „Die Zauberflöte“ (Mozart), 1818. Deutsches Theatermuseum München, ID 49262.
Am 01. Oktober 2026 konnte das zweijährige Forschungsprojekt zur Erschließung und Digitalisierung der „Bühnenentwürfe und Zeichnungen der Familie Quaglio“ – gefördert durch den Projektpartner bavarikon und die Kulturstiftung der Länder – starten. Der für die Digitalisierung restauratorisch vorbereitete, umfangreiche grafische Bestand der Künstlerfamilie Quaglio erstreckt sich über mehrere Generationen. Er ermöglicht einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung des Bühnenbilds von 1780 bis 1900 und die Bayerische Theatergeschichte. Im Onlineportal bavarikon präsentiert das Deutsche Theatermuseum zukünftig Digitalisate, Metadaten und Forschung zur Sammlung Quaglio. Damit möchte das Haus seinen bisher kaum gezeigten Bestand dauerhaft öffentlich zugänglich machen und damit einen nachhaltigen Beitrag zur digitalen Archiv- und Vermittlungsarbeit leisten.
bavarikon ist die digitale Schatzkammer des Freistaats Bayern. Das Onlineportal macht das vielfältige kulturelle Erbe Bayerns weltweit kostenlos zugänglich und richtet sich sowohl an die breite kulturinteressierte Öffentlichkeit als auch an wissenschaftliche Nutzerinnen und Nutzer.
Mittlerweile sind über 580.000 Inhalte von mehr als 200 Kultureinrichtungen online. bavarikon ist ein Gemeinschaftsprojekt des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Staatsministeriums für Digitales. Aus dem Bestand des Deutschen Theatermuseums sind aktuell bereits circa 400 grafische Objekte zum Theater der Barockzeit in bavarikon recherchierbar.
Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden redaktionellen, technischen und organisatorischen Betrieb.
Unter der Leitung von Dr. Susanne de Ponte führt Dr. Sabrina Kanthak als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Projekt durch. Für die von der Kulturstiftung der Länder großzügig unterstützte Restaurierung zeichnen Monika Haberl und Tanja Wimmer verantwortlich.
Zum Bestand

Angelo II. Quaglio, liegende Modellteile zu „Das Testament König Karl II“ (Heigel), 1880. Deutsches Theatermuseum München, ID 53709.

Angelo II. Quaglio, Modell aus aufgestellten Modellteilen zu „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Wagner), 1868 (UA). Deutsches Theatermuseum München, ID 49188.
Über vier Generationen hinweg waren die Mitglieder der Familie Quaglio für das Theater tätig. Mit der Berufung Karl Theodors zum bayerischen Kurfürsten kamen die Quaglios von Mannheim nach München. Hier waren sie am Salvatortheater und am Cuvilliéstheater tätig. Joseph, Julius und Lorenzo Quaglio übernahmen zunächst leitende Posten im Münchner Dekorationswesen.
Besonders hervorzuheben sind innerhalb der Sammlung inhaltliche Zusammenhänge wie das sogenannte „Angelo I.– Inventar“. Dabei handelt es sich um ein systematisches Dekorations-Inventar aus 97 erhaltenen Bühnenentwürfen zu Inszenierungen aus dem Salvator- und Cuvilliéstheater, das früheste Münchner Spielplangeschichte und Dekorationstechnik bildhaft dokumentiert. Ebenso bemerkenswert ist das große Konvolut an Zeichnungen von Simon Quaglio für das Hof- und Nationaltheater. Insbesondere aber Dekorationen zu Münchner Erst- und Uraufführungen der Werke Richard Wagners (u.a. „Tristan und Isolde“ UA 1865, „Lohengrin“ 1867, „Tannhäuser“ 1867, „Die Meistersinger“ UA 1868) aus der Hand von Simon und Angelo II. Quaglio sind von übergreifendem Interesse. Einen hohen Schauwert besitzen außerdem die aufwändig gestalteten Bühnenentwürfe Angelo II. Quaglios für die sogenannten Separatvorstellungen, die sich König Ludwig II. nur für sich allein zeigen ließ.
Ihre künstlerischen Ideen und ihre handwerklichen Fähigkeiten überlieferten sie von Generation zu Generation durch Zeichnungen und Bühnenmodelle. 1923 erwarb das Theatermuseum 923 Zeichnungen und 1688 liegende Modellteile von Eugen Quaglio, dem letzten als Bühnenbildner tätigen Mitglied der Familie. Aus dem Bestand der liegenden Modellteile wurden 29 Bühnenmodelle in Guckkästen aufgestellt. Die liegend montierten Modellteile geben Aufschluss über Ausführung und Funktionsweise der sich im 19. Jahrhundert stark verändernden Bühnendekoration. Dagegen zeigen die aus ehemals liegenden Modellteilen aufgestellten Modelle die gesamte räumliche Wirkung einer Bühnendekoration in Gesamtansicht.
Die außergewöhnlich umfangreiche Sammlung veranschaulicht, wie die Quaglios das Dekorationswesen ab dem Ende des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf deutschsprachigen und insbesondere den Münchner Bühnen geprägt und weiterentwickelt haben.
Hochauflösende Digitalisate in Verbindung mit aktualisierten Metadaten und ausführlichen, forschungsgeleiteten Beschreibungstexten eröffnen einen neuen Zugang zum konservatorisch sensiblen Quaglio-Bestand allen Interessierten wird das Verständnis zur erklärungsintensiven Quelle der Theatergrafik durch die digitale Präsentation möglich.





