Zivilporträt von Peter Zadek, entstanden 1984
Foto: © Roswitha Hecke. Deutsches Theatermuseum München, Archiv Roswitha Hecke, ID 352372

Peter Zadek wurde 1926 in Berlin geboren und emigrierte 1933 gemeinsam mit seinen Eltern zunächst nach London, später nach Oxford. Während seiner Ausbildung zum Lehrer entdeckte er seine Leidenschaft für das Theater und kehrte 1946 nach London zurück, um an der Old Vic Theatre School eine Regieausbildung zu absolvieren. Kurz darauf folgten seine ersten Inszenierungen: In der englischen Provinz arbeitete er an sogenannten „Repertory theatres“ unter der anspruchsvollen Bedingung, wöchentlich ein neues Stück auf die Bühne zu bringen. Mit wenig Probenzeit folgten die Premieren aufeinander, das Arbeitspensum war enorm, Zadek beschreibt es als „Hölle“. Dennoch habe er auch viel gelernt: „ … es hat mich zu einer Art Professionalität gezwungen, die ich sonst nie gekriegt hätte.“ (Peter Zadek, „My Way. Eine Autobiographie“. Köln, 1998. S. 208f.)
Auch wenn er in England sein Handwerk lernte, blieb die Beziehung zum englischen Publikum unterkühlt. Bei einem Gastspiel des Berliner Ensembles sah er „Mutter Courage“ und den „Kreidekreis“ – Seherfahrungen, die er später als „absolut erschütterndes Erlebnis“ beschrieb. Er war begeistert von der intellektuellen Tiefe der Figuren, der darstellerischen Leistung, von Regie und Bühnenbild. Möglicherweise trug gerade diese prägende Begegnung mit dem modernen deutschen Theater dazu bei, dass er den Schritt nach Deutschland wagte.
1957 verließ Zadek England mit einem Skandal: Der Autor Jean Genet war so begeistert von Zadeks Inszenierung von den „Zofen“, dass er ihn als Regisseur für die Uraufführung seines Stückes „Der Balkon“ forderte. Die Umsetzung entsprach jedoch nicht Genets Vorstellungen: In seiner Verärgerung erschien er eines Tages im Theater, setzte sich mit einem Revolver auf die Bühne und drohte, Zadek zu erschießen. Ungeachtet, oder vielleicht gerade wegen, dieses Eklats wurde die Inszenierung ein großer Erfolg.
Zadeks erste Inszenierung in Deutschland entstand 1958: „Kapitän Bada“ von Jean Vauthier am Theater am Dom in Köln und geriet ebenfalls zum Skandal. Bereits während der Premiere kam es zu tumultartigen Szenen, nur wenige Zuschauer blieben bis zum Ende der Vorstellung. Eine positive Kritik in der FAZ änderte jedoch die öffentliche Meinung und Peter Zadek war mit einem Mal in Deutschland bekannt.
Einige Jahre später lernte Peter Zadek die Fotografin Roswitha Hecke (*1944) kennen. Nach Abschluss ihrer Ausbildung in Hamburg im Jahr 1963 widmete sie sich bis in die 1970er Jahre hinein nahezu ausschließlich der Dokumentation von Zadeks Inszenierungen. Die beiden Kunstschaffenden waren für eine Weile als Paar liiert. Hecke verfolgte jedoch auch viele eigene künstlerische Projekte, reiste viel und lebte längere Zeit in Marokko. 2002 übernahm sie die Meisterklasse für Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste in St. Petersburg. Die Verbindung zu Zadek blieb jedoch über die Jahre hinweg bestehen: Sie begleitete weiterhin seine Arbeiten fotografisch und widmete ihm 2006 anlässlich seines 80. Geburtstags die Ausstellung „Oh du mein Zadek“.
Das theaterfotografische Archiv von Rowitha Hecke befindet sich im Deutschen Theatermuseum.
Entstehungsdatum: 1984
Urheberin: Roswitha Hecke
Dargestellte Person: Peter Zadek
Technik: Foto, Positiv, schwarz-weiß
Institution: Deutsches Theatermuseum München, ID 352372