Szenenbild zu „Karagöz in Alamania“ am Schauspielhaus Frankfurt, Uraufführung 26.04.1986
© Deutsches Theatermuseum München, Archiv Abisag Tüllmann ID 285464

Die Fotografie von Abisag Tüllmann zeigt das Bühnenbild von Karl Kneidl für die Inszenierung der Uraufführung von „Karagöz in Alamania“ in der Regie der Stückautorin Emine Sevig Özdamar. Die Bühne ist eingerahmt mit mehreren Ebenen aus dicht aufgehängter Kleidung, die an eine riesige Wäscherei oder auch einen improvisierten Markt erinnern. In der Mitte steht ein Auto auf der Bühne, davor liegen verstreut Gegenstände, Fetzen und Polster. Über der Szene hängen kleine Lampen und Scheinwerfer und es schwebt ein sichelförmiger Papiermond darüber. Links auf der Bühne steht ein lebender Esel, rechts sitzt ein Mann erhöht auf einer der Kleiderstangen. Das Auto in der Mitte wird von einem Mann mit Eselmaske in der Hand attackiert. Der Vordergrund der Fotografie zeigt leere Theatersitze, es handelt sich um ein Probenfoto.
Emine Sevgi Özdamars sozialkritische Komödie entstand 1982 und wurde 1986 unter ihrer Regie am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt. Das Stück erzählt vom türkischstämmigen Karagöz und seinem sprechenden Esel, die zusammen nach Deutschland reisen und ihr Leben lang zwischen dem alten und dem neuen Heimatland hin- und hergerissen bleiben. Während Karagöz sich in Deutschland fremd und verloren fühlt, gilt er in seinem Heimatdorf als angesehener Mann. Aus diesem Spannungsfeld entwickelt Özdamar eine eindringliche Geschichte über Migration, Identität und das Leben in der Diaspora. Die Dialoge der Begegnungen mit Beamten, Gastarbeitern, Toten und sprechenden Dingen zeigen Özdamars charakteristische Wortspiele, Humor und genaue Beobachtung gesellschaftlicher Wirklichkeit. „Karagöz in Alamania“ war ihr erstes Bühnenwerk und gilt heute als eines der ersten (erfolgreichen) Beispiele deutsch-türkischer Literatur. Es wurde zu einem Wegbereiter der literarischen Befassung mit den alltäglichen Problemen der (türkischen) Gastarbeitenden.
Die Arbeiten von Autorin und Regisseurin Emine Sevig Özdamar und Bühnenbildner Karl Kneidl prägten über Jahrzehnte hinweg die Theaterlandschaft. Für ihr künstlerisches Schaffen wurden sie vielfach ausgezeichnet. Die vorliegende Fotografie dokumentiert nicht nur ein frühes Beispiel eines Theaterabends über Gastarbeit, sondern hält zugleich die erste gemeinsame Arbeit des Künstlerpaares fest. Der Vorlass des Bühnenbildners Karl Kneidl befindet sich seit 2025 im Deutschen Theatermuseum.
Tüllmanns Fotografie hält das produktive Zusammenspiel zweier ästhetischer Handschriften fest: Kneidls häufig überbordende, chaotisch anmutenden Bühnenräume treffen auf Özdamars sprachmächtige Inszenierung. Tüllmann verdichtet diese vielschichtige Überladung des Abends zu einem eindrucksvollen Bild. Ihr umfangreiches theaterfotografisches Archiv wird heute im Deutschen Theatermuseum aufbewahrt.
Produktionstitel: Karagöz in Alamania
Premiere: 26.04.1986
Theater: Schauspielhaus Frankfurt, Frankfurt am Main
Autor: Emine Sevgi Özdamar
Regie: Emine Sevgi Özdamar; Curtiz Tuncel; Holtz Jürgen; Volker Spengler
Bühne: Karl Kneidl
Kostüm: Karl Kneidl
Urheber: Abisag Tüllmann
Technik: Foto, Negativ sw
Maße: 24 x 36 mm
Institution: Deutsches Theatermuseum München, ID 285464