Eine Inkunabel ist ein Buch aus der Frühzeit des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, gedruckt bis zum Ende des Jahres 1500.. Inkunabeln ähneln in der Typografie und im Inhalt oft Handschriften. Sie enthalten meist religiöse oder wissenschaftliche Texte. Es dominierten Bibeln, Predigten und theologische Schriften, aber es wurden auch andere Gattungen gedruckt, zum Beispiel antike Theaterstücke in Latein. So finden sich in dieser Inkunabel die sechs überlieferten Komödien des römischen Dramatikers Terenz: Andrie (Andria), Eunuchi (Eunuchus), Heautontimorumenos, Adelphorum (Adelphoe), Phormionis (Phormio), Hecyra.
Das mehr als 500 Jahre alte Buch trägt Spuren der Zeit. . Die Restauratorin des Deutschen Theatermuseums, Monika Haberl, hat die Inkunabel auf typische Alterszeichen hin untersucht, die als Datierungshilfe dienen und zudem Hinweise zur Provenienz geben:
Der Tintenfraß: Eine chemische Reaktionen führt bei eingefügten handgeschriebenen Seiten zwischen Tinte und Papierfasern zu Braunfärbung, Versprödung und im Extremfall zu Lochfraß und Textverlust.
Buchschließen: Der typische Buchverschluss von Inkunabeln bestand aus metallenen Schließen mit Lederriemen, die am Hinterdeckel befestigt und am Vorderdeckel eingehängt wurden. Sie dienten dazu, den durch Pergament oder starke Papiere gewölbten Buchblock geschlossen zu halten und das Verziehen der Holzdeckel zu verhindern. Da an diesem Exemplar noch Teile der metallenen Schließen erhalten sind, lässt sich der Einband zeitlich in etwa mit dem gebundenen Papier einordnen. Es ist daher gut möglich, dass es sich um den originalen Buchdeckel handelt.
Anmerkungen Vorbesitzende: Die Inkunabel weist verschiedene Spuren ihrer Besitz- und Nutzungsgeschichte auf. Eingeklebte Zettel und Exlibris verweisen auf frühere Vorbesitzende und dokumentieren die Provenienz des Bandes. Auch handschriftliche Randnotizen – sogenannte Marginalien – zeugen von der intensiven Auseinandersetzung früherer Leserinnen und Leser mit dem Text. Diese individuellen Einträge verleihen dem Exemplar eine zusätzliche historische Dimension und machen es zu einem einzigartigen Zeugnis seiner Überlieferungsgeschichte.
Rote Farbe im Druck: Wie schon bei Handschriften üblich, wurden Kapitelüberschriften oder Anfangsbuchstaben einer Seite oder Abschnittes meist aufwändig in roter Farbe hervorgehoben. Diese wurden oft nicht vom Schreiber selbst, sondern von einem Rubrikator nach Beendigung des Schreibens eingesetzt. Ebenso verhält es sich bei frühen Druckwerken. Auch hier wurden erst nach dem Druck, häufig erst nach dem Verkauf, Rubrizierungen oder Holzschnitte eingearbeitet
Die Bibliothek des Deutschen Theatermuseum basiert in ihrem Grundstock, wie alle anderen Sammlungsbereiche des Museums, auf der privaten Bibliothek der Museumsgründerin Clara Ziegler. Daran anschließend wurde der Bestand durch den Erwerb umfangreicher Theaterbibliotheken systematisch erweitert, darunter Sammlungen des Theaterwissenschaftlers Albert Köster sowie des Dramaturgen und Theaterintendanten Karl Zeiss. Durch weitere Ankäufe und Schenkungen wird die Bibliothek kontinuierlich ausgebaut und in ihrem Bestand fortlaufend ergänzt.
Heute hat die Bibliothek einen Bestand von ca. 100.000 Bänden. Neben den Stücktexten und Libretti reichen die Bände vom Ende des 15. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die ältesten Werke der Bibliothek sind zwei Inkunabeln mit Komödien des Terenz und eine Sammlung von knapp 1.000 Libretti aus der Zeit von 1660 bis 1800. Theaterwissenschaftliche Sekundärliteratur, alle gängigen Theaterzeitschriften und Literatur zu verwandten Gebieten der Darstellenden Künste, wie Puppentheater und Film, laden zum forschen und vergleichen ein.
Objektart: Inkunabel
Objekttitel: Terenti[us]
Verfasser: Publius Terentius Afer
Herausgeber: Aelius Donatus
Erscheinungsort: Argentina
Erscheinungsjahr: 1496
Verlag: Grüninger
Umfang: [6], CLXXVI Blatt
Provenienz: Theaterwissenschaftliche Bibliothek Albert Köster
Institution: Deutsches Theatermuseum München, 4° R 45










