Blatt 3 der Bewegungsstudie aus der Mappe „Isadora Duncan: Sechs Bewegungsstudien" von Edward Gordon Craig. Leipzig: Insel Verlag, 1906
Deutsches Theatermuseum München, ID 226464

Blatt 3 der Bewegungsstudie aus der Mappe „Isadora Duncan: Sechs Bewegungsstudien von Edward Gordon Craig. Leipzig. Insel Verlag 1906“ zeigt im Zentrum die Tänzerin Isadora Duncan: Ihr Körper wirkt schwebend, sie schreitet lächelnd und auf Zehenspitzen voran. Die helle Komposition wird von einem bogenförmigen Dunkel dominiert. Das wellenartige Spiel von Licht und Schatten umgibt die mittig platzierte Tänzerin. Ihr helles Gewand greift das Wellenspiel sanft auf. Ein Schatten, der sich organisch den runden Bögen der Zeichnung anpasst, folgt ihr. Scheinbar direkt unter Duncans nackten Füßen erblühen kleine Pflanzen
Die organische, fast traumhafte Szenerie lässt sich auch als Aufführungssituation lesen: Der helle, ovale Bereich im unteren Bild wirkt wie die von oben beleuchtete Bühne. Er hebt sich klar vom dunkleren Umfeld ab. Der Licht-Spot erhellt nur einen kleinen Teil der Bühne. Die die Tänzerin umgebende Dunkelheit erinnert an den Zuschauerraum oder die Bühnenränder; der Betrachter der Studie blickt aus dem Dunklen auf die umso heller erscheinende Duncan.
Der Bühnenreformer und Bühnenbildner Craig, der bis 1906 mit Duncan liiert war, veröffentlichte mit der Mappe „Isadora Duncan: Sechs Bewegungsstudien“ sechs künstlerische Studien zu Bewegungen der Tänzerin. Die limitierten, großformatige Drucke zeigen Duncans tänzerische Posen in Craigs Interpretation und geben dabei einen faszinierenden Einblick in Ästhetik und Wirkung ihres Ausdruckstanzes.-
Isadora Duncan (1877–1927) gilt als Wegbereiterin des modernen Ausdruckstanzes. Sie wandte sich bewusst vom klassischen Ballett ab und entwickelte einen freien, natürlichen Tanzstil, inspiriert von antiker Kunst, Musik und Bewegungen aus dem Alltag. Barfuß und in fließenden Gewändern trat sie auf internationalen Bühnen auf, gründete Tanzschulen und prägte mit ihrer Betonung von Individualität, Emotion und Körperfreiheit nachhaltig die Entwicklung des modernen Tanzes.
Edward Gordon Craig (1872–1966) war ein einflussreicher Bühnenbildner und Theaterreformer. Er wendete sich von der zeitgenössischen, naturalistischen Bühnenausstattung ab und entwickelte abstrakte, symbolische Bühnenräume mit klaren Formen, aus Licht und Bewegung. Craig verstand das Bühnenbild als eigenständige Kunstform und prägte mit seinen innovativen Entwürfen und Theorien die moderne Theaterästhetik.
Objekttitel: Sechs Bewegungsstudien
Theater: Theater am Gärtnerplatz, München
Dargestellte Person: Isadora Duncan
Urheber: Edward Gordon Craig
Datierung: 1905
Erscheinungsdatum: Insel-Verlag, Leipzig 1906
Verlag: Insel-Verlag, Leipzig
Technik: Lichtdruck
Maße: Blattmaß: 223x197 mm, Objektmaß: 570x425 mm
Institution: Deutsches Theatermuseum München, ID 226464