Deutsches Theatermuseum
Galeriestr. 4a
80539 München

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Tuesday to Sunday
11 a.m. - 5 p.m.

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Kostümentwurf von Georg II. von Meiningen für Romeo und Julia (ca. 1897).

Künstler: Georg II. von Meiningen („Theaterherzog“)
Datierung: ca. 1897
Technik: Bleistift und Feder

Sammlung: Deutsches Theatermuseum München

Diese beiden Zeichnungen stammen von Georg II. von Meiningen, einem der bedeutendsten Theaterreformer des 19. Jahrhunderts, der nicht nur als Regisseur und Intendant, sondern auch als leidenschaftlicher Kostümbildner in Erscheinung trat. Mit dem Shakespeare-Stück Romeo und Julia wurde 1867 das Meininger Hoftheater neu eröffnet. In der Folge erhielten die Inszenierungen zwischen 1874 und 1890 europaweit Beachtung – nicht zuletzt wegen ihrer detailgetreuen historischen Ausstattung.

Die Entwürfe zu Romeo und Julia gehören dem Historismus an – einer Stilrichtung, die bewusst auf frühere kunsthistorische Epochen zurückgreift. Georg II. entwirft dabei keine bloß stilisierten Bühnenkostüme, sondern strebt eine möglichst authentische Anmutung der Renaissance-Kleidung an.

Romeos Kostüm zeigt eine elegante, adlige Erscheinung mit typischen Elementen der italienischen Renaissance: eine kurze Mantelschaube über bestickter Weste, gepuffte Pagenärmel, enganliegende Kniehosen mit Bändern, Lederstiefel mit Sporen, ein Dolch am Gürtel sowie eine Hiebwaffe. Die Maske in der Hand verweist ikonisch auf den Capulet’schen Maskenball des ersten Aktes.

Julias Gewand, vermutlich für die Szene der geplanten Hochzeit mit Paris im vierten Akt entworfen, betont mit seidenem Unterkleid, überlanger Übertunika, golddurchwirktem Mieder und Prunkgürtel den festlichen Anlass und den sozialen Rang. Der Schleier, das offen getragene Haar und der verzierte Kopfreif verweisen zugleich auf Unschuld und religiös motivierte Reinheit. Eine Notiz des Herzogs belegt den wiederholten Einsatz einzelner Kostümdetails in verschiedenen Produktionen.