Gemälde „Aufführungsbild für ein Passionsoratorium“ von Johann Anton Gumpp, entstanden um 1690
Deutsches Theatermuseum München, ID 51299

Das Gemälde zeigt das Aufführungsbild eines Passionsoratoriums. Architektonische Details lassen das von Domenico Mauro 1685 installierte Proszenium, den vorderen Bereich der Bühne, im Münchner Salvatortheater erkennen. Das Gemälde vereint die im Oratorium verhandelten szenischen Ereignisse in einem Bild. Sie sind in einer für das barocke Musiktheater typischen, perspektivisch gemalten Raumsituation, einer prächtigen dreischiffigen Halle angeordnet und zeigen Stationen der Leidensgeschichte Christi. Ob während des Oratoriums die szenischen Ereignisse nacheinander durch bewegtes Spiel ins Blickfeld rückten oder durch Auf- und Abtritte aufeinanderfolgten, bleibt ungeklärt.
Die hier gezeigte Bühnendekoration wurde bereits 1685 in der Festoper „Servio Tullio“ eingesetzt und für die Nutzung im Oratorium lediglich im abschließenden Prospekt abgewandelt. Er zeigt die in goldener Monstranz ausgestellte Hostie als Verkörperung der Eucharistie. Der Tiroler Künstler Johann Anton Gumpp, dem das Gemälde zugeschrieben wird, war am Münchner Hof unter anderem als Maler für Bühnendekorationen im Salvatortheater und für temporäre Festbauten tätig. Das Bild belegt die frühe Aufführung geistlicher Oratorien im kurfürstlichen Opernhaus am Salvatorplatz unter Verwendung von Dekorationen für das weltliche Theater.
Zeitlich steht das Passionsoratorium Gumpps ganz im Kontext des auch in München (v.a. in der Michaelskirche) gepflegten Jesuitentheaters, das die aufwändigen Dekorationen und illusionistischen Effekte der barocken Bühne als Mittel emotionaler Überzeugungsarbeit des Ordens im gegenreformatorischen Kampf einsetzte.
Titel: Aufführungsbild für ein Passionsoratorium
Objektart: Gemälde
Urheber: Johann Anton Gumpp (1654–1719)
Datierung: um 1690
Technik: Öl auf Leinwand
Maße: 58 x 49,2 cm
Institution: Deutsches Theatermuseum München, ID 51299